Mittwoch, 18. Oktober 2006

Gottfried Benn, Dichter

Zeichnung von Tobias FalbergEuropa, dieser Nasenpopel
aus einer Konfirmandennase
wir wollen nach Alaska gehen.

(Gottfried Benn: Alaska)

Fast jeder kennt Gottfried Benn (* 2. Mai 1886 in Mansfeld, † 7. Juli 1956 in Berlin), dessen Sektionslyrik "Kleine Aster" das bekannteste, dessen Gedicht "Melancholie" das beste und dessen "Alaska" wohl sein schrägstes Werk ist. Präzise und tiefgehend – wie mit dem Skalpell seziert – analysiert die Sprache seiner Dichtkunst. Nur wenige allerdings wissen, dass Benn ab September 1897 das Friedrichsgymnasium in Frankfurt (Oder) besucht und hier im Jahr 1903 die Reifeprüfung abgelegt hat. Während seiner Schulzeit machte er u.a. die Bekanntschaft mit Alfred Henschke, der sich ebenso wie Benn zum Dichter entwickelte und als Klabund Berühmheit erlangte. Ihm widmete Benn ein Gedicht, in dem es heißt: "nehmen Sie jene Verse, / Reime, Strophen, Gedichte, / die unsere Jugend erhellten / und man vergaß sie dann nicht".

Nach dem Abitur ging Gottfried Benn erst nach Marburg und 1904 nach Berlin, um dort auf Wunsch des Vaters Theologie und Philologie zu studieren. Ein Jahr darauf entschließt er sich zum Fakultätswechsel und studiert Medizin. Dieser Spurwechsel in eine selbst gewählte Laufbahn war eine weise Entscheidung und sein Studium entwickelte sich äußerst erfolgreich. 1910 erhält Benn nicht nur den ersten Preis der Medizinischen Fakultät Berlin, sondern beginnt auch mit der Veröffentlichung seiner Gedichte. Mit der Gedichtsammlung “Morgue“ gelingt ihm der Durchbruch. Benn selbst beschreibt sein Leben 1920 in der Anthologie “Menschheitdämmerung“ so: “Geboren 1886 und aufgewachsen in Dörfern der Provinz Brandenburg. Belangloser Entwicklungsgang, belangloses Dasein als Arzt in Berlin.“

In den Jahren 1933 und 1934 hatte sich Benn kurzzeitig in die Arme des Nationalsozialismus verirrt, doch schon bald nahm er wieder Vernunft an und zog sich nach dem Schreibverbot in ein inneres Exil zurück. In den 50er Jahren erhielt er den Georg-Büchner-Preis, als erster überhaupt.

weitere Geschmacksproben:
  • Wirklichkeit: “Eine Wirklichkeit ist nicht vonnöten / ja es gibt sie gar nicht…”
  • Melancholie: “Schon eine Pille nimmt dich auf den Arm / und macht das Trübe klar, das Kalte warm.”
  • Wer allein ist: “Wer allein ist, ist auch im Geheimnis, / immer steht er in der Bilder Flut, / ihrer Zeugung, ihrer Keimnis, / selbst die Schatten tragen ihre Glut.”

Frankfurt (Oder)

Hart an der Grenze

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